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Erst seit den 90er Jahren, als Models wie Kate Moss die Laufstege eroberten, gilt „dünn“ und „mager“ als schön und schick. Doch wie war das in den Jahrzehnten und Jahrhunderten davor? Wir laden Sie ein auf eine kleine Reise zurück in die Vergangenheit, um herauszufinden, wie Schönheit früher definiert wurde.
Relikte aus der Altsteinzeit, wie die Venus von Willendorf, deuten auf das damalige Schönheitsideal hin. Üppige Formen mit voluminösen Bäuchen, Hinterteilen und Beinen sowie mächtigen, hängenden Brüsten galten zu dieser Zeit als schön.
In der griechischen Antike hingegen sah man harmonische, körperliche Proportionen als schön an. „Ästhetische Vollkommenheit“ entsprach einer möglichst kleinen weiblichen Brust und einem kleinen Kopf, jedoch waren mäßige Fettpolster sehr wohl erlaubt.
Im Mittelalter hatte der christliche Glaube sehr viel Einfluss, daher war zu dieser Zeit Körperlichkeit verpönt. Damals galt der Leitsatz ansehnlich aber möglichst unauffällig. Trotzdem galt eine möglichst helle Haut als schön, es wurden sogar giftige Substanzen wie Bleiweiß verwendet um einen blasseren Teint zu erzielen.
Doch in der Renaissancezeit änderte sich alles. Nun wurde schön sein
nicht mehr verpönt. Schön war, ein blasser, porzellanfarbener Teint,
möglichst grazile Arme und Beine aber deutliche Rundungen an Bauch,
Gesäß und Taille.
Die Bilder des Malers Peter Paul Rubens zeugen
vom molligen Schönheitsideal in der Barockzeit. Zwar waren die Körper
zu dieser Zeit mollig und wohlgenährt, in der Öffentlichkeit jedoch
mussten Frauen ihre Rundungen in Korsetts zwängen. Die schmale
Wespentaille in Verbindung mit einem sonst üppigen Körper galt als
Inbegriff von Sinnlichkeit.
Im Rokoko waren jene schön, die eine große, volle Haarpracht
vorweisen konnten. Dafür griffen viele Frauen zur Perücke. Bleiche
Haut, Rouge auf den Wangen und kohlengeschwärzte Augenbrauen galten als
Ideal. Jedoch hatten die Menschen zu dieser Zeit eine recht seltsame
Vorstellung von Körperhygiene. So wurde der Körpergeruch einfach mit
Parfums übertüncht.
Im Klassizismus galten ein rosiger Teint und
ausdrucksvolle, aber ungeschminkte Augen als perfekt. Natürlichkeit
stand wieder im Vordergrund. Kleidung wurde bequemer und praktischer
und Frauen mussten sich nicht mehr in enge Korsetts zwängen. Die Haare
wurden nicht mehr hochgesteckt und es wurden auch keine Perücken mehr
verwendet, nun wurden die Haare auf Kinnlänge in weichen Wellen
getragen.
Das 20. Jahrhundert war die Zeit der Frauenemanzipation und die Schönheitsideale ändern sich seither in relativ schneller Abfolge. Zur Zeit des Nationalsozialismus galten blond, blauäugig und ein athletischer Körperbau als schön. Sophia Loren und Grace Kelly standen in den 50er Jahren als Inbegriffe von Schönheit, die Konfektionsgröße 42 war damals ein durchschnittliches Maß. Dies änderte sich als das britische Model Twiggy auf die öffentliche Bühne trat. Von nun an galt ein Magerlook, Twiggy hatte bei einer Größe von 1,70 Metern ein Gewicht von 42 Kilo, und war ab sofort die neue Schönheits-Devise.
In den 70er Jahren wurde der Fokus vermehrt auf die Augen gerichtet, ausdrucksstark geschminkte Augen galten als begehrenswert.
In den 80ern wurde, was die dekorative Kosmetik betrifft, aus den Vollen geschöpft. Es galt, je bunter desto besser.
Eine schmale Taille, eine größere Oberweite und Schulterpolster waren zu dieser Zeit modern.
Heute prägen vor allem Stars der Musik- und Filmbranche und natürlich Models die Idealvorstellung von Schönheit. Eine superschlanke Figur, makellose, braungebrannte Haut und beste körperliche Fitness sind Schlagworte unserer Generation. Jedoch sind diese vermeintlichen superschlanken und wunderschönen Körper oft nicht natürlichen Ursprungs, sondern wurden von einem Schönheitschirurgen geformt. Heutzutage ist es fast schon en vogue sich beim Schönheitschirurgen die Lippen aufpolstern und die Falten wegspritzen zu lassen. Diese Gesichter verlieren oft ihre Mimik und Natürlichkeit. Dabei sind es vor allem die kleinen Fältchen um Mund und Augen, die so viel über den Menschen verraten und zeigen, wie sein gegenwärtiger Gemütszustand ist.
Eines ist sicher, nur weil uns durch Fernsehen, Werbung und Magazine ein bestimmtes Idealbild vermittelt wird, muss es für den Einzelnen noch lange nicht schön sein, denn Schönheit liegt nun mal im Auge des Betrachters und ist völlig subjektiv...
Silvia Temel
für das Team der Perau-Apotheke